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Die Fußballflüsterin

Eigentlich ist Fußball in unserem Haus kein Thema … eigentlich. Nur aller vier Jahre wird Paul, der beste aller Ehemänner, von diesem Virus erfasst. In diesem Jahr kommt sogar doppelt schlimm, denn erstmals hat auch mein siebenjähriger Sohn das „Vier-Jahres-Fieber“. Meinen Nerven zuliebe habe ich beschlossen großzügig zu sein, ähnlich wie Robert Redford in „der Pferdeflüsterer“ werde ich meinen Liebsten mit Ruhe und Verständnis begegnen, eben eine echte „Fußballflüsterin“. Doch das soll natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Fußballweltmeisterschaft das Beziehungsleben von Mann und Frau oft auf eine harte Probe stellt.
 
Am Freitag, den 9. Juni 2006 ist es soweit. Um 18.00 Uhr MEZ beginnt mit dem Anpfiff der Weltmeisterschaft in München der sportliche Wettkampf um den Fußballweltpokal. 32 Mannschaften aus aller Welt treten an, um das beste Team unter sich auszumachen. Millionen, ja, Milliarden Männer weltweit haben auf diesen Augenblick gewartet. Zeitgleich mit dem Anpfiff wird unweigerlich aber auch der Kampf um die Vorherrschaft über die Fernbedienung in Deutschlands Wohnzimmern beginnen.

Dieser Kampf wird kein kurzer sein, wie in einem Finalspiel, an dessen Ende der Sieger definitiv fest steht. Nein. Ein langes, zähes Ringen um jede einzelne Fußballübertragung steht den Männern ins Haus. Immerhin dauert die WM ganze vier Wochen. Und nüchtern betrachtet gehen Mann auch schnell die Argumente aus, wenn er erklären soll, warum er auch noch unbedingt das Spiel Paraguay gegen Trinidad und Tobago sehen muss. Zumal wenn parallel dazu die Kultserie "Desperate Housewifes" läuft. Aber welcher Mann kann die WM schon nüchtern betrachten, vor allem wenn die Deutschen spielen?

Zudem steckt selbst der geneigtesten Lebenspartnerin bereits eine ganze Bundesliga-Saison in den Knochen, die Übertragungen der Champions League, des DFB-Pokals und des Uefa-Cups nicht gerechnet. Die verkürzte Winterpause kommt noch erschwerend hinzu. Keine Frage, die Toleranzschwelle liegt niedrig. Da nützt auch der Hinweis nichts, dass die Welt zu Gast bei Freunden ist. Im Gegenteil: Clever wie Frauen nun mal sind, würden sie gleich den Braten riechen und vermuten, dass sie die Bewirtung der Gäste übernehmen sollen.
 
Auch sind die Bilder aus dem Jahr 1974 noch viel zu frisch, als der „Herr Papa“ auf der Fernsehcouch sitzend sich von der "Mama" Bier und Schnittchen hat bringen lassen, während Kaiser Franz und die seinen um die Weltmeisterschaft kämpften. Frauen vergessen so etwas nicht. Und die, die nicht dabei waren, kennen alles aus Überlieferungen. War ja auch peinlich damals. Die Holländer spielten den schöneren Fußball, die Deutschen wurden Weltmeister und sangen zu allem Überfluss auch noch: "Fußball ist unser Leben - denn König Fußball regiert die Welt. Wir kämpfen und geben alles - bis dann ein Tor nach dem anderen fällt." Nein wirklich. Welche Frau damals, und sei es nur als Göre von zehn Jahren, dabei war ist fürs Leben geprägt.

Andererseits: Fußball ist nicht einfach nur Fußball. Wer selbst schon mal auf dem Platz gestanden hat, weiß das. Auf dem Rasen zeigt sich der wahre Charakter eines jeden Spielers, einer Mannschaft und im Fall der Nationalmannschaft der mentale Zustand einer ganzen Nation. Nicht umsonst bekannte der Schriftsteller und Philosoph Albert Camus: "Alles was ich vom Leben weiß, verdanke ich dem Fußball."

Im Sinne Camus' müssen Männer an die Intelligenz der Frauen appellieren. Das ist unsere Schwachstelle. Nicht toben oder wüten, bitten oder betteln, nur logische, eiskalt vorgetragene Argumente führen zum Ziel, sich das Recht auf die nächste Übertragung zu sichern. Selbst wenn die Hände zittern, weil das Fußballspiel in knapp fünf Minuten beginnt.

Dabei ist es wichtig, Frauen nicht auszugrenzen. Das wurde mir klar, als ich kürzlich ein Gespräch unter Freundinnen am Nachbartisch in einem Café belauschen konnte.

"Klar schaue ich mir die Fußball-Weltmeisterschaft an", erklärte eine der Damen freimütig. "Nein!" ertönte es ungläubig vom Nachbartisch in meinem Rücken. "Aber natürlich", lautete die Antwort, "zumindest die wichtigen Spiele und natürlich die der Deutschen. Vier Wochen dreht sich alles um Fußball. Da muss ich doch mitreden können und auf dem Laufenden bleiben. Schon bei der letzten WM hat sich gezeigt, wer nicht Fußball schaut, ist abgeschrieben, egal ob Männlein oder Weiblein." Verblüfft klinkte ich mich aus dem Gespräch wieder aus und rührte versonnen in meinem Kaffee. Daher weht der Wind. Klar, die Frau von Welt guckt Fußball, schon aus beruflichen Gründen, wegen der Karriere und so.

Ohnehin sind die Frauen im Fußball ja schon längst angekommen. Monica Lierhaus moderiert die Sportschau, Katrin Müller-Hohenstein das Aktuelle Sportstudio und die Grüne Claudia Roth forderte von Klinsmann, Manuel Friedrich von Mainz 05 in die Nationalmannschaft zu berufen, um die Abwehr zu stärken. Nicht zu vergessen die Bundeskanzlerin in ihrer Neujahrsansprache: "Die Frauenfußball-Nationalmannschaft ist ja schon Fußballweltmeister, und ich sehe keinen Grund, warum Männer nicht das Gleiche leisten können wie Frauen."

"Schaun mer mal", wie Kaiser Franz zu sagen pflegt. Am sinnvollsten gemeinsam mit der besseren Hälfte. Frauen integrieren heißt die Taktik der Männer für die WM 2006, dann klappt's auch mit der großen Fußball-Party im eigenen Land. "Klinsi" jedenfalls hat die Zeichen der Zeit verstanden und Friedrich prompt für das Testspiel gegen die USA nominiert. Soll noch eine sagen, Männer seien nicht lernfähig.

Apropos lernfähig: So richtig beeindrucken können Sie ihren Lebensabschnittbegleiter, wenn Sie selbst komplizierte Fußballregeln mit ihm diskutieren. Abseits ist das ultimative Streitthema. Deshalb hier eine ganz und gar praktische Version aus Ihrem Wohnzimmer:
Das Spiel läuft. Ihr Mann (Gegenspieler) sitzt vor dem Fernseher (Tor). Jetzt kommen Sie und stellen sich zwischen Mann und Fernseher - und schon sind Sie im Abseits. Allerdings nur passiv, denn noch haben Sie ja nichts weiter getan, als herumzustehen, und das wird auch nicht vom Schiedsrichter gepfiffen. Betritt jetzt aber noch Ihr Junior (Ihr Mitspieler) das Zimmer (Spielfeld) und wirft Ihnen über Ihren Mann hinweg eine Tüte Chips (Ball) zu, den Sie auch fangen (annehmen), dann sind Sie klassisch im Abseits. Jetzt regt sich Ihr Mann zu Recht auf, Sie haben einen Vorteil (könnten die Chipstüte ja ungehindert in den Fernseher donnern) und der Schiedsrichter pfeift. Setzen Sie sich dagegen zu Ihrem Mann auf die Couch und fangen da die Chipstüte, ist alles in Ordnung, da gleiche Höhe.

Tja, und wenn Ruhe und Verständnis bei mir doch mal ausgehen sollten, bleibt der Trost, es sind ja nur vier Wochen und bis zur nächsten WM sind es dann wieder vier Jahre. In diesem Sinne wünsche ich allen Frauen und natürlich auch den Männern eine schöne, aufregende und vor allem faire Fußballweltmeisterschaft 2006!


Doris Richter

 

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