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Und Tschüss! Kinder leiden oft unter der Trennung ihrer Eltern

Das klassische Familienmodell - Mutter, Vater, Kind(er) – ist heute eher auf dem Rückmarsch. Zwar hat es einst genauso begonnen, ober mittlerweile wird etwa jede dritte Ehe geschieden, man kann fast von einer 50:50 Chance sprechen, ob die Ehe hält oder eben nicht.

Patchwork-Familien und allein Erziehende sind im heutigen Gesellschaftsbild völlig normal. Kein Kind wird schief angeschaut, wenn es nur bei dem Vater oder der Mutter aufwächst oder die Eltern wieder neu geheiratet haben.
Dennoch ist es für viele Kinder alles andere als normal, wenn die Eltern verkünden, fortan getrennte Wege zu gehen. Hoppsala Redakteurin Kerstin Klimenta hat mit Claus Koch, Diplom Psychologe und Autor des Elternratgebers „Kindern bei Trennung und Scheidung helfen“, gesprochen.


Lieber Herr Koch,


was sollten Eltern beachten, bevor sie ihre Trennung offiziell vor den Kindern verkünden?

C.K.: Dem Zeitpunkt, an dem Eltern ihren Kindern mitteilen, sich trennen oder scheiden lassen zu wollen, liegen meistens schon länger andauernde Konflikte voraus. Und selbst, wenn sie nicht immer lautstark ausgetragen wurden, haben die Kinder in der Regel mitbekommen, dass die Beziehung ihrer Eltern nicht mehr so ist, wie sie es sich eigentlich wünschen. Und darauf reagieren die meisten Kinder, ob sie es nun aussprechen oder nicht, mit Angst. Der Angst eben, dass ihre Eltern sich trennen. Oberste Aufgabe der Eltern ist in dieser Situation, dass sie ihren Kindern diese Angst nehmen. Und das geht nur darüber, dass sie ihnen immer wieder versichern, sie trotz ihrer Konflikte und Streitereien nach wir vor lieb zu haben und weiter für sie da zu sein: „Hör mal, ihr habt gerade mitbekommen, dass sich der Papa und ich ziemlich gestritten haben. Das ist nicht schön, wir mögen das beide auch nicht, aber wir verstehen uns nicht mehr so, wie am Anfang, als wir uns kennen gelernt haben und ihr auf die Welt gekommen seid. Aber eines müsst ihr wissen: Wir haben euch beide nach wie vor sehr, sehr lieb und wir werden euch nie im Stich lassen und immer für euch da sein.“ So oder so ähnlich könnten Eltern es den Kindern erklären. Ganz wichtig ist es, ihnen in solchen Momenten so viel Sicherheit wie möglich zu geben.


Wenn alles „Vorbereitungen“ getroffen sind, wie erklärt man es dann am besten dem Kind?

C.K.: Am besten in einer möglichst entspannten Situation – darauf sollten sich die Eltern vorher verständigen und den besten Zeitpunkt dafür aussuchen. Sicherlich ist ein Wochenende besser, wenn alle zu Hause sind und man das Gespräch dann gemeinsam „verarbeiten“ kann. Und das Gespräch sollte auf keinen Fall „zwischen Tür und Angel“ stattfinden und damit enden, dass der eine oder die andere jetzt „ganz schnell zur Arbeit muss.“ Eltern sollten sich gemeinsam mit dem Kind an einen Tisch setzen, um die Trennung zu verkünden. Ganz wichtig ist es, dem Kind zu sagen, dass man sich geliebt hat, als es auf die Welt kam und dass man weiterhin gemeinsam für es da ist und es sich trotz der Trennung bei beiden Eltern aufgehoben fühlen kann. Ich schlage in meinem Buch noch so eine Art Gelöbnis vor: Am Ende des Gespräches fassen sich alle Beteiligten an den Händen und die Eltern geloben, dass sie sich nicht gegenseitig schlechtmachen werden und nicht gegeneinander um das Kind kämpfen wollen. Dann kann das Kind seine Eltern in solchen Situationen, die vielen Trennungen unweigerlich folgen, an diese „Verabredung“ erinnern, die ja nicht immer einfach einzuhalten ist.


Welche Rolle spielt dabei das Alter?

C.K.: Vorneweg: Es gibt kein „passendes“ Alter des Kindes, um sich zu trennen. Wenn Eltern meinen, die Trennung noch etwas aufzuschieben, bis das Kind z.B. in der Schule ist, wäre das nicht unbedingt sinnvoll. Kinder, und sind sie noch so jung, merken schließlich, wenn sich ihre Eltern nur noch wenig zu sagen haben.

Kinder leiden – bis auf extreme Ausnahmefälle – immer unter der Trennung ihrer Eltern, auch wenn sie, vielleicht in der Pubertät, trotzig dagegenhalten. Schon sehr kleine Kinder, schon Babys haben ein ausgezeichnetes Gefühl dafür, dass etwas in der Beziehung  ihrer Eltern nicht stimmig ist und das gilt für alle Kinder und Jugendliche. Dass ein kleines Kind davon – im Gegensatz zu älteren Kindern – noch nichts mitbekommt, ist also falsch.



Soll / darf das Kind mitbestimmen, wo es künftig wohnen wird?

C.K.: Auf jeden Fall soll man mit dem Kind darüber sprechen und es auf diese Weise in die Entscheidung einbeziehen.  Oft hat es ja äußere Gründe (Beruf, Arbeit, Wohnung etc.), dass das Kind bei der Mutter, wie in den meisten Fällen, oder beim Vater bleibt. Dann soll man  das dem Kind sagen. Am besten ist, wenn auch diese Entscheidung vor dem Kind gemeinsam  getroffen und dem Kind gemeinsam erklärt wird. Auf keinen Fall sollte man es in einen inneren Konflikt bringen: „Hör mal, ich würde ja so gerne, dass du bei mir wohnst, aber es geht leider nicht.“ Das verunsichert das Kind. Hier ist eine klare, gemeinsame Ansage am besten.


Halbe Woche hier, halbe Woche da – ist das überhaupt praktikabel?

C.K.: Das hängt von der Lebenssituation der getrennten Partner ab. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die nahelegen, dass das zumindest bei jüngeren Kindern nicht der geeignete Weg ist. Gerade jüngere Kinder brauchen ein festes „Basislager“, wie ich es nenne, wo sie sich sicher und aufgehoben fühlen und von dem aus sie die Welt erkunden. Das geht auch mit zwei „Basislagern“, ist aber schwierig, besonders, wenn diese nicht im gleichen Stadtviertel liegen, also eine andere Umgebung mit sich bringen. Die klassische Regel, also ein Basislager und möglichst häufige Kontakte zum getrennten Partner ist für viele eine gute und praktikable Lösung. Oft empfiehlt es sich, hier klare Regeln aufzustellen, an die sich alle zu halten haben.


Nicht immer ist eine Trennung einvernehmlich. Ein häufiger
Scheidungsgrund ist der, dass sich einer der Partner neu verliebt. Was
raten Sie dem Elternteil, der womöglich schwerer unter der Trennung leidet?

C.K.: Ganz, ganz wichtig, auch wenn es wirklich schwerfällt: Den anderen vor dem Kind nicht schlechtzumachen. Natürlich kann man dem Kind zum Ausdruck bringen, dass man darunter leidet, dass der Partner einen neuen Freund, eine neue Freundin hat. Das weiß das Kind ja und merkt es auch. Trotzdem ist es fast eine Pflicht, den anderen nicht vor dem Kinder runterzumachen. Und wenn einem doch mal was so „herausrutscht“ - was nachvollziehbar und natürlich ist - dann kann man sich dafür vor dem Kind kurz entschuldigen: „Ich habe es nicht so gemeint, aber es tut mir einfach weh, ihn mit seiner neuen Freundin zu sehen.“  Ehrlich seine Gefühle zum Ausdruck bringen ist immer in Ordnung. Wichtig ist es, dem Kind nach einem „Ausbruch“ seine Schuldgefühle zu nehmen, denn häufig fühlen Kinder sich für die Trennung schuldig. In meinem Buch habe ich das wie folgt beschreiben: „Auch wenn ich jetzt so traurig oder wütend bin, es hat nichts mit dir zu tun.“ Es ist für die weitere Entwicklung des Kindes sehr bedeutend zu wissen, dass ihm an der Trennung keinerlei Schuld trifft.


Welche Tipps geben Sie Betroffenen, um einen Rosenkrieg zu verhindern?

C.K.: Wenn Menschen, die sich einmal geliebt haben, unbedingt mit dem Anwalt aufeinander losgehen wollen, dann kann man ihnen keine besonderen Tipps geben, außer, dass sie ihre Kinder möglichst aus dieser Auseinandersetzung heraushalten. Aber je heftiger der „Rosenkrieg“, desto schwieriger wird das.  Dann müssen die Kinder damit leben, ob sie wollen oder nicht.


In Hinblick auf die juristischen und finanziellen Folgen der Scheidung
bekommen viele Betroffene Panik. Wer hilft in diesen Punkten?
Trennung bei Paaren ohne Trauschein – wo liegen die größten juristischen / finanziellen Unterschiede?

C.K.: Ich bin Psychologe und kein Jurist, weshalb in meinem Buch auch ein Jurist die Beantwortung dieser Fragen übernommen hat.  Um solche Fragen zu klären gibt es Anwälte. Aber entscheidend aus meiner Sicht ist, dass Eltern versuchen, sich, so gut es geht, über diese Fragen gütlich zu einigen, vielleicht auch mit Unterstützung von Scheidungsmediatoren, bevor es zu juristischen Auseinandersetzungen kommt. Für die Kinder ist es so allemal besser.


Gibt es typische Merkmale, an denen Eltern erkennen können, dass das
Kind die Trennung (noch) nicht gut verkraftet hat.

C.K.: Dass Kinder auf eine Trennung ihrer Eltern emotional und auch mit ihrem Verhalten reagieren, ist nicht nur völlig normal, sondern wünschenswert. Es gehört zur Verarbeitung dieses Erlebens dazu. Meistens reagieren die Kinder entweder besonders introvertiert oder im Gegenteil, besonders „aufgedreht“. Oft treten, zumindest bei jüngeren Kindern Symptome hinzu, die wir „regressiv“ nennen, also das Kind fällt in Verhaltensweisen  von früher zurück: Es macht wieder ins Bett, will wieder im Bett der Mutter oder des Vaters schlafen, lutscht wieder am Daumen, traut sich nicht, allein in den Kindergarten oder in die Schule usw.  Das ist völlig in Ordnung, sollte aber nach etwa 6 Monaten besser werden, wenn das Kind sich an die neue Situation gewöhnt hat. Hält es zu lange an bzw. reagiert das Kind über einen längeren Zeitraum mit sehr auffälligem Verhalten wie zum Beispiel totalem Rückzug, ständigem Einnässen, Sprachstörungen, motorischen Tics usw. sollte man auf jeden Fall psychologische Beratung in Anspruch nehmen. Hierfür gibt es in jeder größeren Stadt entsprechende Anlaufstellen.


Zum Wohl des Kindes. Was bedeutet dieser Satz aus Ihrer Sicht?

C.K.: Kinder sind unsere Zukunft. Sie sind kostbar und sie kommen mit einem ungeheuren Vertrauen in ihre Eltern auf die Welt. Sie lieben ihre Eltern bis zum Umfallen. Diese Liebe darf man nicht enttäuschen. Genau das bedeutet, die eigenen Auseinandersetzungen für das Wohl  des Kindes zurückzustellen.


Das Interview führte Kerstin Klimenta
Foto: Bernd Wachtmeister / pixelio.de



Dr. Claus Koch, Diplom Psychologe. Zusammen mit Christoph Strecker hat er das Buch „Kindern bei Trennung und Scheidung helfen – Psychologischer und juristischer  Rat für Eltern“ (Beltz Verlag 2011) geschrieben, außerdem ist er Mitherausgeber  und Autor von „Das ElternBuch. Wie unsere Kinder geborgen aufwachsen und stark werden.“ Rowohlt Taschenbuchverlag 2013. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Für Vorträge steht er nach Vereinbarung zur Verfügung.

 

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