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Vergiftungen beim Hund

Morgens noch tollte Luna übermütig herum, doch dann muss sie sich mehrmals übergeben. Die Hündin frisst und trinkt nicht mehr und liegt schließlich abends kraftlos im Körbchen. Die Halter reagieren schnell und suchen noch in der Nacht einen Tierarzt auf, der den anfänglichen Verdacht bestätigt: Luna hat sich vergiftet. Nach einer mehrtägigen intensiven Behandlung mit Medikamenten gegen Erbrechen, mit Infusionen und Schonkost geht es ihr glücklicherweise wieder besser.

Vergiftungen bei Hunden sind unter den Tierbesitzern sehr gefürchtet und leider auch nicht selten: In Tierarztpraxen werden immer wieder Vierbeiner mit Verdacht auf Intoxikationen vorgestellt.

Den genauen Anteil der tatsächlichen Vergiftungsfälle zu beziffern fällt allerdings schwer, da die Tiere meist nicht bei der Aufnahme der Giftstoffe beobachtet werden und die Symptome nicht unbedingt eindeutig sind. Der Nachweis eines Giftstoffes ohne genauen Verdacht ist sehr teuer und wird in der Regel nicht durchgeführt.


Mutwilliges Vergiften kommt selten vor

Doch klar ist: Gezielte Vergiftungen durch böswillige Nachbarn oder Hundehasser sind viel seltener als gemeinhin angenommen wird. Die Gefahren lauern oft ganz in der Nähe. Nicht wenige Tiere vergiften sich im häuslichen Umfeld mit Haushaltsreinigern, Giftpflanzen, Frostschutzmitteln oder ganz simpel mit für Hunde giftigen Lebensmitteln wie beispielsweise Schokolade.

Freilaufende Vierbeiner können sich überall durch verschiedenartigsten Müll, Kompostbestandteile oder Tierkadaver den Magen verderben.


Müllvergiftungen sind häufig

Dies kommt so häufig vor, dass die damit verbundene Verdauungsstörung im englischen Sprachgebrauch einen eigenen Namen erhalten hat: „garbage enteritis“. Verdorbene Essensreste und vergammeltes Fleisch können eine Vielzahl an Keimen enthalten, die nicht nur beim Menschen, sondern auch bei seinem treuen Begleiter zu einer Vergiftung führen können. Staphylokokken, Clostridien und Schimmelpilze produzieren toxische Stoffe, die den Organismus schädigen. Erreger wie Salmonellen hingegen können zu schwerwiegenden Infektionen führen.

Eine Vergiftung zeigt sich häufig durch Erbrechen, oft begleitet von wässrigem Durchfall. Gut zu wissen: In den meisten Fällen kommt es innerhalb von 24 Stunden zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome. Die Therapie ist dann einfach und beruht im Wesentlichen auf der Vermeidung von allzu großem Wasserverlust (Dehydratation). Der Hund darf etwa 12 - 24 Stunden nichts fressen, denn die Futteraufnahme löst, auch wenn das Tier hungrig ist, weiteren Brechreiz aus. Diese so genannte Nahrungskarenz gibt dem Körper die Möglichkeit, den gereizten Magendarmtrakt zu beruhigen. Wasser sollte natürlich zur Verfügung stehen. Falls der Nahrungsentzug alleine den Brechreiz nicht beruhigen kann, das Tier apathisch wirkt oder neurologischen Symptome wie Krämpfe oder Störungen der Bewegungskoordination zeigt, muss unverzüglich der Tierarzt aufgesucht werden. Mit der Gabe entsprechender Medikamente (Antiemetika) wird das Erbrechen unterbunden. Und, wie beim Menschen auch, müssen zu starke Flüssigkeitsverluste mit Infusionen ausgeglichen werden. Ist der Brechreiz überwunden, darf der Vierbeiner wieder fressen – am besten leicht Verdauliches, wie beispielsweise gekochtes Huhn mit Reis.


So klappt es mit dem Trinken

Wenn Hunde nach starkem Erbrechen und Durchfall kein Wasser aufnehmen möchten, droht ein Austrocknen des Körpers. Eine selbst hergestellte Lösung mit Traubenzucker und Salz kann die Trinklust erhöhen und führt dem Tier notwendige Mineralien und Energie zu. Mische dazu 1 Liter Wasser mit 10 Teelöffeln Traubenzucker und 1 Teelöffel Salz. Noch unwiderstehlicher wird die Trinkflüssigkeit, wenn sie mit dem (salzfreien) Kochwasser z. B. von Hühnchenfleisch gemischt wird.


Unterschätzte Gefahr für Hunde: Schneckenkorn

Auch der heimische Garten birgt Gefahr in Form von kleinen bunten Kügelchen: Schneckenkorn. Viele Hobbygärtner benutzen das Mittel, um die gefräßigen Weichtiere aus ihren Beeten zu eliminieren. Es gibt verschiedene Wirksubstanzen, eine ist Metaldehyd, ein Nervengift, von dem bereits geringe Menge ausreichen, um einen Hund in ernsthafte Gefahr zu bringen.

Erste Symptome für eine Vergiftung mit dem süßlich schmeckenden Granulat sind erhöhter Speichelfluss, Erbrechen, Durchfall, Krämpfe, Koordinationsstörungen und Fieber. In Verdachtsfällen muss der Hund sofort zum Tierarzt. Nur innerhalb von 30 bis maximal 60 Minuten kann die Giftaufnahme im Körper durch den Tierarzt mit Hilfe von Brechmitteln, Magenspülungen und Abführmitteln verhindert werden. Dies auch deshalb so wichtig, weil es kein Gegenmittel gegen Metaldehyd gibt. Ist ein Tierarzt nicht so schnell erreichbar, muss versucht werden, die Aufnahme des Giftes durch die Gabe von Aktivkohle zu verhindern – dann sofort den Hund in die Tierklinik bringen! Hundebesitzer sollten auf Schneckenkorn im Garten verzichten und stattdessen auf natürliche Bekämpfungsmethoden zurückgreifen.


Gefährlich guter Geschmack: Vergiftungen durch Frostschutzmittel

Weitere „Alltagschemikalien“ bedrohen unsere vierbeinigen Freunde: Frostschutzmittel für das Auto, die Ethylenglykol enthalten. Kleine Pfützen davon entstehen nicht selten beim Befüllen des Autokühlers oder durch beschädigte Kühler. Wegen seines süßen Geschmackes nehmen Hunde die Flüssigkeit gerne auf. Typische Symptome einer Frostschutzmittel-Vergiftung sind u. a. ein unsicherer Gang (Torkeln), das Tier wirkt zunächst aufgedreht, ehe es auf einmal sehr schläfrig wird. Oft zeigt sich Erbrechen und verstärkter Durst. Bei solchen Symptomen muss sofort ein Tierarzt aufgesucht werden.


Albtraum für Hundehalter: Giftköder

Meist werden sie verdeckt ausgelegt und doch werden sie manchmal von Hunden gefunden und gefressen: Giftköder gegen Ratten und Mäuse, die sogenannte Cumarin-Derivate enthalten.

Diese Wirkstoffe blockieren die Abläufe der normalen Blutgerinnung. Auffälligstes Symptom einer Vergiftung mit Rattengift und Mäusegift sind daher Blutungen aus Maul (oder Blut in Erbrochenem), Nase, Genitalöffnung und After (Blut im Kot) oder Blutergüsse auf der Haut. Weitere mögliche Symptome sind Atemnot, blasse Schleimhäute und Lethargie. Wird sofort ein Tierarzt aufgesucht, bestehen durch eine Therapie mit Vitamin K-1 und Blutprodukten gute Überlebenschancen!


Vergiftungen vorbeugen

Senke das Risiko für „hausgemachte“ Vergiftungen. Weintrauben, Rosinen, Macadamianüsse, Koffein, Süßstoff und Schokolade sind für Hunde giftig und dürfen daher nicht für die Tiere erreichbar sein oder gar angeboten werden.

Auch vermeintlich harmlose Medikamente wie Aspirin, Paracetamol oder Teebaumöl wirken bei Hunden toxisch.

Grundsätzlich sollte man sich mit „Fellnasen“ im Haushalt verhalten wie mit einem kleinen Kind: Medikamente, Putz- und Reinigungsmittel oder Gartenchemie müssen aus der Reichweite des Vierbeiners verbannt werden.

Bringe deinem Hund bei, beim Spazierengehen kein „gefundenes Fressen“ aufzunehmen bzw. es auf Zuruf wieder fallen zu lassen. Das ist bei einigen Hunden sicherlich schwierig, aber mit Konsequenz doch erreichbar.


Bei Symptomen schnell handeln

Bei Verdacht auf eine Vergiftung so schnell wie möglich einen Tierarzt telefonisch kontaktieren und das Tier dann unverzüglich in die Praxis bringen! Wenn möglich, die Substanz, die das Tier aufgenommen hat oder Erbrochenes sichern und mit zum Tierarzt nehmen.

Quelle: www.dgk.de


 

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