|
Sprach- und Sprechstörungen treten bei Vorschulkindern in den letzten Jahren gehäuft auf. Empirische Untersuchungen aus den letzten Jahren zeigen, dass jedes vierte Kind betroffen ist - Tendenz steigend. Besonders häufig sind Störungen in der Aussprache, allen voran das Lispeln, also die falsche Aussprache der Zischlaute. Diese Befunde sind alarmierend. Eltern sollten daher ein genaues Auge auf die sprachliche Entwicklung ihrer Kinder haben. Je früher eine exakte Diagnose von Sprachstörung gestellt und eine geeignete Behandlung eingeleitet werden, desto größer sind die Chancen, die Sprachauffälligkeiten zu beheben. Diagnose Bemerken Eltern sprachliche Auffälligkeiten bei Ihrem Kind oder werden sie durch ErzieherInnen oder LehrerInnen darauf hingewiesen, so sollten sie diese Anzeichen nicht einfach ignorieren und darauf vertrauen, dass sich die Schwierigkeiten von selbst legen. Ein Besuch beim betreuenden Kinderarzt, beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Logopäden ist ratsam. Dieser kann die Sprachfähigkeit des Kindes im Verhältnis zu seinem Alter und Entwicklungsstadium einordnen. Bis zu einer bestimmten Entwicklungsstufe sind Schwierigkeiten beim Sprechen ganz normal. Eine holprige Sprechweise tritt bei vielen Kindern im Alter von 3 bis 5 Jahren auf, ebenso das Stammeln bei Kindern bis zum 4. Lebensjahr. Wird jedoch festgestellt, dass tatsächlich dem Alter ungemäße Sprachprobleme vorhanden sind, so sollte so bald wie möglich mit einer geeigneten Therapie begonnen werden. Therapie und Sprachförderung Durch eine logopädische Behandlung können viele Sprachstörungen behoben oder zumindest abgeschwächt werden. Der Logopäde führt mit dem Kind verschiedene Sprechübungen durch, die Sprache bewusst machen und verändern soll. Viele Eltern scheuen sich, ihr Kind zu einer logopädischen Behandlung zu schicken. Diese Möglichkeit sollte aber auf jeden Fall wahrgenommen werden. Während der Kindheit können Sprachprobleme meist noch relativ problemlos behoben werden. Bestehen Sie jedoch bis ins Erwachsenenalter fort, so bringt dies für die Betroffenen große Probleme mit sich, denn die Umgebung reagiert auf Sprachstörungen häufig mit Spott. Außerdem sollten sich die Eltern darum bemühen, eine Umgebung für das Kind zu schaffen, die die Sprachheilung unterstützt. Machen Sie das Kind nicht auf seine Sprachfehler aufmerksam oder lachen gar darüber. Verbessern Sie das Kind nicht oder fordern es zu korrektem Nachsprechen auf. Durch ein solches Vehalten werden Sprechängste geschürt, das Kind zieht sich aus Gesprächen zurück und verliert die Freude an der Kommunikation. Eltern sollten ihrem Kind dagegen geduldig und aufmerksam zuhören und ihm stets ausreichend Anreize zum Sprechen bieten. Zeigen Sie ihrem Kind durch Nachfragen Interesse am Inhalt seiner Äußerungen und loben Sie es, wenn es Fortschritte macht. Ursachen für Sprachstörungen Es gibt eine Vielzahl möglicher Ursachen für Sprachstörungen. Organische Probleme sind eine Möglichkeit. Häufig sind Sprachstörungen beispielsweise in Hörproblemen begründet, aber auch die Motorik oder der Körperbau können dafür verantwortlich sein. Zudem werden soziale oder psychische Faktoren als mögliche Ursachen für Sprachstörungen angenommen. Bekommt das Kind nicht genügend sprachliche Anregungen aus seiner Umwelt, so kann sich dies negativ auf seine Sprachentwicklung auswirken. Ein intaktes familiäres Umfeld ist für die Entwicklung des Kindes ebenfalls von grundlegender Bedeutung. Trennung der Eltern, Konflikte mit Geschwisterkindern oder eine Atmosphäre ständigen Streits wirken sich negativ auf die Psyche des Kindes aus und sind daher auf lange Sicht mögliche Ursache für Sprachstörungen. Die eklatante Zunahme von Kindern mit Sprachstörungen hat ihre Ursache vermutlich in den sozialen und strukturellen Veränderungen unserer Gesellschaft. Für ausführliche Gespräche in den Familien steht meist nur wenig Zeit zur Verfügung, der Einzug technischer Medien in die Kinderzimmer tut ein Übriges. Sprache wird häufig nur noch passiv aufgenommen, der aktive Sprachgebrauch und der kommunikative Austausch mit Menschen kommen jedoch zu kurz. In diesem Bereich kann also angesetzt werden um zu vermeiden, dass Sprachstörungen überhaupt erst entstehen. Eine kommunikativ eingestellte Umgebung, liebevolle Zuneigung, Interesse am Kind und ein kontrollierter Medienkonsum sind die besten Voraussetzungen dafür, dass das Kind ohne Probleme sprechen lernt. Laura Henrici
Hier findet Ihr weitere Artikel aus unserem Bereich Erziehungsfragen
|