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Ein Interview mit der Kinderphilosophin Kristina Calvert

„Was macht das Ich zum Ich?“

Unter Philosophen stellen sich vielen Menschen besonders schlaue und gelehrte Menschen vor, die über Dinge reden, die kein normaler Mensch versteht. Ist Philosophie denn überhaupt schon etwas für Kinder und was versteht man überhaupt darunter?

Eine, die sich bestes mit diesem Thema auskennt, ist die promovierte Kinderphilosophin Dr. Kristina Calvert. Hoppsala hat bei ihr mal nachgefragt, was es mit der Philosophie so auf sich hat …

 

Was genau versteht man unter Philosophie?

K.C.: Philosophie, natürlich würde ich bereits hier gerne mit dir anfangen darüber zu philosophieren, aber machen wir es mal kurz und übersetzen wir es aus dem Altgriechischen. Dann bedeutet Philosoph soviel wie Freund der Weisheit. Natürlich wirst du, lieber Moritz jetzt gleich fragen, was aber bedeutet Weisheit. Tja und hier würde ich gern mit dir darüber nachdenken, was Weisheit mit Wissen, Weiß, Schlau-sein oder Klug-sein zu tun hat. Übrigens hat kürzlich ein Junge zu mir gesagt, dass seine Oma weise sei, nicht weil sie weiße Haare habe, sondern weil sie immer gut und nett zu allen sei. Was meinst du? Sind die Weisen im Zweifelsfall bessere Menschen? 

 

Worüber wird überhaupt philosophiert?

K.C.: Beim Philosophieren mit Kindern geht es vor allem um Fragen, die für Kinder wichtig sind. Erstaunlicherweise verlieren diese Fragen im Laufe des Älterwerdens gar nicht an Brisanz. Man kann diese Fragen – nach dem Philosophen I. Kant – in vier große Bereiche unterteilen:

  1. Was kann ich wissen? Hier gehören alle Fragen zur Erkenntnistheorie dazu, also z.B. eine Frage wie Haben Hunde einen Geist? Oder Warum heißt Apfeltorte „Apfeltorte“.
  2. Was soll ich tun? Ethik. Hier stellt man sich Fragen wie: gelten Regeln auch im Dunkeln?
  3. Was darf ich hoffen? Metaphysik. Hier fragt man nach Gott, Seele, Schönheit, Angst und Ewigkeit.
  4. Was ist der Mensch? Philosophische Anthropologie Hier fragt man nach „Was macht das Ich zum Ich?  Können Pflanzen böse sein?

 

Und wie funktioniert nun das Philosophieren?

K.C.: Beim Philosophieren denken wir 1. selber, das machen wir im Gespräch, in Bildern aber auch in Spielen. Wir denken 2. miteinander und wir denken das, was wir von den anderen gehört haben, 3. Weiter. Philosophieren ist also

  • Selber denken
  • Miteinander denken
  • Weiter denken


 
Die großen Philosophen sind Gelehrte und haben oft viel gelesen und studiert. Das hört sich nach ganz schwerer Kost und auch ein bisschen langweilig an. Ist die Philosophie denn überhaupt schon was für Kinder?

K.C.: Nicht die Philosophie ist etwas für Kinder, lieber Moritz, wohl aber das Philosophieren, eben das Nach-Denken über eine philosophische Frage, wie: Haben Pflanzen Heimweh? Dabei ist es manchmal auch interessant, was Philosophen dazu gesagt haben, aber ich lese mit Kindern keine Texte von Philosophen, sondern Kinderbücher, in denen die Autoren tolle, lustige, abenteuerliche Gedankenreisen zu philosophischen Themen gemacht haben: also z.B. „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ von Steinhöfel, wenn ich über Freundschaft philosophieren will oder Selma von Jutta Bauer, wenn ich über das Glück nachdenken möchte.


Über welche Themen haben große Philosophen wie Sokrates, Platon und Aristoteles denn so nachgedacht? Gibt es heute denn noch „echte“ Philosophen und womit verdienen die ihr Geld?

K.C.: Einer meiner Lieblingsphilosophen ist Aristoteles, denn er hat in der Nichomachischen Ethik sehr anschaulich über „Freundschaft“ nachgedacht, aber auch Plato ist anregend zu lesen, z.B. wenn ich über die Frage „Woher kommen eigentlich die Worte“ nachdenke, und dazu den Dialog „Kratylos“ lese, in dem Plato Sokrates mit dem Jungen Kratylos darüber philosophieren lässt, ob es einen „Wortemacher“ gegeben hat.

Echte Philosophen arbeiten heute eigentlich noch genauso wie damals, sie sind Professoren, sie beraten Firmen und Politiker, ein gutes Beispiel dafür ist der Philosoph Wilhelm Schmid oder David Precht. Wir Kinderphilosophen machen das, was Sokrates auch gemacht hat, wir gehen nach draußen – (auf den Marktplatz) und philosophieren mit Kindern und Erwachsenen.


Wie gehen Sie das Philosophieren mit Kindern an! Was wird in Ihren Kursen so gemacht?

K.C.: Beim Philosophieren spielen wir, wir lesen gute Kinderbücher zu unserem Thema, wir schauen uns Bilder oder auch Filme an und philosophieren z.B. mit dem Film Ice Age, über das Mammut, welches denkt ein Opussum zu sein. Dabei sprechen wir und drücken unser Denken auch in Gedichten, Bildern oder Geschichten aus.


Wie sind Sie überhaupt dazu gekommen, mit Kindern zu philosophieren? 

K.C.: Ich habe über die Hamburger Universität, während meines Studiums der amerikanischen Philosophen Prof. Dr. G.B. Matthews kennen lernen dürfen, der mir Mut machte, mich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen und über das Philosophieren mit Kindern meine Doktorarbeit zu schreiben.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Kristina Calvert wurde 1961 geboren und ist promovierte Kinderphilosophin, Dozentin, Lehrerin, Autorin und Mutter von Zwillingsmädchen. Sie leitet seit 2006 das Forschungsprojekt "PhiNa-Philosophieren mit Kindern" über naturwissenschaftliche Fragen in der integrativen Begabtenförderung. Kristina Calvert hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und Auszeichnungen erhalten.Sabine Dittmer wurde 1960 in Oldenburg geboren. Nach einigen Jahren als Erzieherin und einem Kunststudium arbeitet sie seit 2000 als freie Künstlerin, Illustratorin und Autorin in Hamburg, wo sie auch Workshops mit Kindern und Erwachsenen durchführt. In ihren experimentellen Bilderbüchern finden Gedanken und Geschichten einen persönlichen Ausdruck.

 

 

Buchtipp

Wolkenbilder und Möwendreck: Kleine Philosophische Bibliothek 1

Wie lächeln Zitronenfalter?
Gibt es eigentlich nur das, was man anfassen kann?
Wo ist die Zeit, wenn ich keine Uhr habe?

Kinder wollen alles ganz genau wissen. Wer kennt sie nicht, diese hartnäckigen Fragen nach dem Woher und Warum. Für Kinder ist die Welt voller Wunder und dem möchte die bekannte Kinderphilosophin Kristina Calvert zusammen mit Sabine Dittmer mit diesem Buch nachgehen. Dazu greifen die beiden Autorinnen die vier Grundfragen der Philosophie auf und widmen ihnen jeweils vier Möwen- oder Wolkengeschichten, die zum Selberdenken, Miteinanderdenken und Weiterdenken anregen. Träumerisch minimalistische Farbzeichnungen von Sabine Dittmer ergänzen und erweitern die Gedankenspiele. Ein kluges und buntes Gedankenkunstwerk für Kinder und Erwachsene mit Glossar und Einführung ins philosophische Staunen und Fragen.

Das Buch kann hier bestellt werden >>

 

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