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Ein Plausch mit Tomi Ungerer

„Meine Wurzeln sind im Elsass, meine Baumkrone ist in Irland.“ Der Sohn eines Uhrmachers lebt heute auf einer 50 Hektar großen Farm inmitten einer zeitlosen Landschaft in Südirland. Straßburg, das Zentrum jener ›Zwischenkultur‹ aus Deutschland und Frankreich, die seiner Meinung nach all zu sehr ins Französische kippt, ist Tomi Ungerers zweiter Wohnort. Dort wird Jean Thomas Ungerer am 28. November 1931 geboren, aufgewachsen ist er – nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1935 – in Logelbach bei Colmar.

Seine Schuljahre werden vom Zweiten Weltkrieg und der deutschen Besatzung geprägt. Ungerer verpatzt die Reifeprüfung – dem Abgangszeugnis muss er entnehmen, dass er „ein verdorbener und aufsässiger Charakter“ sei – und trampt stattdessen durch ganz Europa bis nach Lappland. Ein Jahr verbringt er sogar in Algerien bei den französischen Kamelreitertruppen – wegen einer Rippenfellentzündung allerdings meistens in deren Lazaretten. Aus der Armee entlassen, veröffentlicht er erste Zeichnungen im ›Simplizissimus‹, tritt in die Ecole Municipale des Arts Décoratifs in Straßburg ein, wo er nach einigen Monaten höflichst gebeten wird, doch wieder zu gehen. 1956 landet Ungerer mit 60 Dollar in der Tasche in New York, den Kopf voll von seinen Cartoon-Helden Steinberg, Thurber und Addams, und einem Koffer mit eigenen Zeichnungen. Er wird über Nacht zum Star: als Karikaturist, Illustrator und Kinderbuchautor erscheinen von ihm in zehn Jahren mehr als 80 Bücher und als Werbegraphiker macht er Kampagnen, z. B. für Willy Brandt oder die ›New York Times‹.

Mit seiner zweiten Frau, der Amerikanerin Yvonne Wright, verlässt er 1971 New York Hals über Kopf. „Wir hatten das Stadtleben plötzlich satt: Auf einem Highway dahinjagend, war unserem Leben der Treibstoff ausgegangen; wir hatten uns festgefahren, und so schlugen wir zu Fuß den erstbesten Seitenweg ein und erwarteten nicht einmal das Unerwartete.“ Aus Ungerer, dem Star, wird in Nova Scotia in Kanada ein Farmer, der Schafe, Schweine und Ziegen züchtet.

Seit 1976 lebt er mit seiner Frau und den drei Kindern abwechselnd auf einer 160 Hektar großen Farm nahe der Stadt Cork in Irlands Südwestprovinz Munster und in Straßburg. In seiner nun schon fast 50 Jahre umspannenden Karriere bringt der Workaholic rund 40.000 Zeichnungen zu Papier und veröffentlicht über 140 Bücher.

Zu Tomi Ungerers vielen Auszeichnungen gehören die Ernennung zu den „500 World Leaders Of Influence“ durch das American Biographical Institute (1992), das Bundesverdienstkreuz (1993), Hans Christian Andersen Award für Illustration (1998), Ernennung zum Botschafter für Kindheit und Erziehung durch den Europarat (2000), Ernennung zum Offizier der französischen Ehrenlegion (2001) und er erhielt den Erich Kästner Preis (2003).

Zu den schönsten Kinderbüchern von Tomi Ungerer zählen u.a. „Die drei Räuber“ (1963), „Sechs kleine Schweine“ (1963), „Der Mondmann“ (1966), „Der Zauberlehrling“ (1971), „Kein Kuss für Mutter“ (1974), „Tomi Ungerers Märchenbuch“ (1975/2001), „Flix“ (1997), „Otto. Autobiographie eines Teddybären“ (1999) und „Die Abenteuer der Familie Mellops“ (2006).   

Im Oktober 2007 wird am Place de la République in Straßburg ein Ungerer-Museum eingeweiht.

 

Ein Plausch mit Tomi Ungerer ...

Wie sind Sie damals, im Jahr 1961, auf „Die drei Räuber“ gekommen? Was war die Initialzündung?

Das ist wirklich schwer zu sagen, man weiß nicht, wo es herkommt. Ich glaube aber, dass es einen Münchner Bilderbogen von Wilhelm Busch gibt, da war auch eine Räuber-Geschichte dabei. Aber wo die Ideen und die Geschichten letztlich herkommen, das weiß ich nicht. Das Buch ist dann irgendwie aus meiner Phantasie heraus entstanden - und hat internationale Preise bekommen.

 

Sind Sie stolz darauf?

Lassen Sie mich darauf so antworten: Es ist schön zu sehen, wie zum Beispiel in Laos mein Buch „Die drei Räuber“ in der chinesischen Version hergenommen wird, und dann – zu den Bildern - fotokopierte kambodschanische Text-Passagen eingeklebt werden. Dies ist für mich eine große Ehre.

 

In Japanisch gibt es ein riesengroßes Buch für die Kindergärten.

Ja, diese Ausgaben sind extra für die Kindergärten – und sie sind richtig toll! Für mich müssen Kinder neue Wörter finden und haben. Ich sage nie, es ist ein Baum, sondern eine Eiche oder eine Buche. Ich meine, man muss den Kindern laut vorlesen, selbst wenn es Erwachsenen-Bücher sind.

 

Man hat den Eindruck, dass in Ihnen immer noch der kleine Junge weiterlebt. Man sieht auch heute noch das Spitzbübische in Ihnen.

Ja, da ist immer noch diese Direktheit, diese Spontaneität. Ich würde sagen, dass ich meinen Erfolg und meine Popularität nicht nur den Kritikern verdanke, sondern vor allem den Menschen, die meine Bücher kaufen. Sie haben irgendwann einmal ein Buch von mir gesehen, das ihnen offenbar gefallen hat und dann haben sie eben noch eines von mir gekauft und so weiter. Das geht jetzt schon drei Generationen so. Und wenn man bedenkt, dass jedes Jahr ungefähr dreitausend neue Kinderbuch-Titel erscheinen – und ich immer noch gelesen werde, da kann ich mich wirklich bei meinem Verleger bedanken, weil meine Bücher immer gedruckt wurden.

 

Als Sie gehört haben, dass aus Ihrem Buch „Die Drei Räuber“, das ja über Generationen hinweg die Leute begeistert hat, ein Film gemacht wird, wie war Ihre Reaktion?

Ich muss schon sagen, viele meiner Bücher sind schon verfilmt worden. Aber das waren kleine, ganz wunderbare Trick- oder Animationsfilme. In der Tschechoslowakei gab es „Die Drei Räuber“ schon als Film, allerdings mit einer Länge von nur acht Minuten. Es war daher eine große Herausforderung einen abendfüllenden Spielfilm daraus zu machen. Denn wie Sie wissen, hat ein Kinderbuch normalerweise 32 Seiten. Und das ist kein Roman! Da muss man schon Wein ins Wasser schenken.

 

Das Wichtige ist dann die Zusammenarbeit, und da muss ich wirklich sagen, habe ich tolle Menschen getroffen, wir haben uns total vereinigt. Es war nicht ganz leicht. Ich habe noch ein paar Ideen gehabt, so wie das ganze Team – und natürlich auch der Regisseur Hayo Freitag. Der Film jetzt ist ein richtiger Roman geworden. Und von allem, was ich bisher gesehen habe, bin ich total begeistert. Was mich besonders berührt hat, ist diese Stimme des achtjährigen Mädchens – das ist zum Heulen: „Ich bin ein Waisenkind …“ – mein Gott, ich habe Tränen in den Augen gehabt. Und auch meine Frau, die als Amerikanerin ja mit Cartoons aufgewachsen ist, fand es ganz toll.

 

Was ist Ihnen denn am Wichtigsten bei der Verfilmung? Was muss unbedingt im Film sein?

Die Stimmung. Und die Botschaft. Wir können es auch ruhig Moral nennen. Was mich aber am meisten fasziniert, ist dieses Niemandsland zwischen dem Guten und dem Bösen. In diesem Niemandsland kann das Böse etwas vom Guten lernen, und das Gute das Böse verstehen lernen. Und das ist ein bisschen der Fall bei den „Drei Räubern“. Das sind eigentlich grimmige, böse Typen.

 

Aber jeder von ihnen hat ein großes Herz.

Ja, doch! Aber jeder Mensch kann ein großes Herz haben, die Frage ist nur: Wie macht man das … – in diesem Fall hat das auch mit Schicksal zu tun. Man muss dem Schicksal eine Richtung geben oder im Schicksal eine Richtung finden. Man sagt immer den Kindern „Nein, nein, das ist böse, das ist schlimm“, ja okay, aber dazwischen gibt es den gesunden Pragmatismus. Jeder Mensch tut jede Menge böser Sachen und jeder Mensch ist gut und böse. Ich glaube, für Kinder ist es beruhigend, das zu wissen.

 

Gibt es auch autobiografische Bezüge in Ihrem Buch „Die drei Räuber“?

Autobiografisches gibt es immer. Bei den „Drei Räubern“ ist da vor allem das Schreckelement. Das ist auch ein Teil von Jugenderinnerungen, diese gewisse Angst…

 

Ihnen war beim Film das gemeinsame Ausmalen der Höhle und der Tiere sehr wichtig. Wieso gerade diese beiden Punkte?

Oh, das waren nicht nur die beiden Punkte. Es gab da eine Menge, was wir noch erfunden haben. Der Hayo war phänomenal, ganz in seinem Element in dieser Geschichte. Und es passt ganz wunderbar zum Buch.

 

Sie treten selbst als Erzähler auf…

Ich bin nie gut im Lesen in einem Studio, aber diesmal hat es geklappt. Nur im Englischen habe ich realisiert, dass wieder mein irischer Akzent auftaucht. Meine Kinder lachen sich tot über meine Mischung, aber immerhin, das habe ich korrigiert.

 

 

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