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... Otfried Preußler

Otfried Preußler ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Autoren deutscher Sprache. Er hat über 25 Bücher geschrieben, die in mehr als 50 Sprachen übersetzt wurden und in mehr als 300 fremdsprachigen Ausgaben vorliegen. Die deutsche Gesamtauflage seiner Bücher liegt bei über 18 Millionen Exemplaren, weltweit beträgt sie fast 50 Millionen Exemplare. Otfried Preußlers Bücher wurden weltweit vielfach ausgezeichnet. Einer seiner bekanntesten Figuren - der Räuber Hotzenplotz - feierte im August 2012 seinen 50. Geburtstag!

 

Lieber Herr Preußler, wie kamen Sie auf die Idee, die Geschichte mit dem klassischen Personal einer Kasperlgeschichte zu besetzen?

Auf dem Dachboden meines Elternhauses in Reichenberg haben Kasperl und Seppel mein Herz ein für alle Mal erobert. Zum gemeinsamen Zeitvertreib mit den Nachbarskindern haben sich mein Bruder und ich gelegentlich eine Kasperliade ausgedacht und dann auch in eigener Regie, mit allem Drum und Dran, aufgeführt.

Seit dieser Zeit weiß ich um die unwiderstehliche Anziehungskraft dieser Geschichten. Als ich mich Anfang der 60er Jahre mit dem 'Krabat' regelrecht festgeschrieben hatte, erinnerte ich mich daran und beschloss – quasi zur Genesung – ein Kasperltheaterstück zu schreiben. Allerdings nicht für die Bühne, nein, es sollte eine Geschichte zwischen zwei Buchdeckeln werden, eine durch und durch lustige Kasperlgeschichte mit allem, was dazugehört: angefangen vom Räuber bis hin zur Großmutter; mit Kasperl und Seppel natürlich – und selbstverständlich mussten ein Zauberer und ein Wachtmeister darin vorkommen.

 

Warum trägt das Buch den Titel „Räuber Hotzenplotz“?

Für mich ist es unbedingt die Geschichte vom Räuber Hotzenplotz. Und, aus unzähligen Leserbriefen weiß ich, dass der eine oder andere aus dem verehrlichen Publikum nur allzu gern mal in seine Rolle schlüpft. In die des polternden, aber dennoch augenzwinkernden Räubers: sieben Messer, die Pfefferpistole im breiten Gürtel, Hut drauf, mehr braucht es nicht.

 

Was fasziniert Sie an der Figur des Räubers?

Sagen wir mal so: ich mag den Räuber Hotzenplotz. Denn, er ist eigentlich nicht wirklich böse und gefährlich, er ist eher ein polterndes Großmaul, das zwar Polizisten in Angst und Schrecken versetzt, nicht aber meine Freunde Kasperl und Seppel. Und schon gar nicht Kinder, für die meine „Räuberpistole“ nun mal gedacht war.

 

Wie kamen Sie auf die Namen Hotzenplotz, Dimpfelmoser und Petrosilius Zwackelmann?

Als Geschichtenerzähler weiß ich: Erst wenn du den Namen hast, stimmt die Geschichte. Erst dann, und nur dann verselbstständigen sich die Personen, sie beginnen zu leben. Beim Hotzenplotz hab ich mich ein bisschen geplagt. Doch plötzlich war er da, der Name, und er passte wie der Hut auf den Schädel meines bärbeißigen Freundes. Damit begann Hotzenplotzs Eigenleben. No, und der Wachtmeister Dimpfelmoser und der Zauberer Petrosilius Zwackelmann gesellten sich dann wie von selbst dazu.

 

Der Räuber Hotzenplotz muss Ihnen sehr am Herzen gelegen haben, sonst hätten Sie ihn im dritten Band nicht eine ehrliche Karriere einschlagen lassen. Warum will er ein ehrliches Leben führen? Oder führt er uns alle gar an der Nase herum?

Da fragen Sie ihn am besten selber, denn er führt seit nunmehr 50 Jahren sein eigenes Leben. Ab und zu schaut er gern bei uns zu Hause vorbei, genießt die gute Küche, meinen Weinkeller und die Zentralheizung. Und er freut sich an seiner vielen freien Zeit. Gelegentlich – wenn ich nicht aufpasse – stöbert er auch in meinen Manuskripten herum, oder er beantwortet meine Leserpost.

 

Hätten Sie sich vorstellen können einen vierten Teil zu schreiben?

Nein, definitiv nicht. Ich wollte eigentlich schon gar keinen zweiten Band schreiben, aber die begeisterte Leserschaft hat mich solange bekniet, bis ich mich schließlich zu einer Fortsetzung durchgerungen hab. Und bei dem zweiten Band ist mir leider ein unverzeihlicher Fehler passiert. Ich hab versäumt, den armen Krokodilhund Wasti aus seiner misslichen Lage zu befreien. So musste ein dritter Band her, um den Wasti wieder in einen Dackel zurück verwandeln zu können. Und bei dem dritten und letzten Band habe ich tunlichst doppelt und dreifach aufgepasst, nur ja keinen Handlungsfaden offen zu lassen. Und, um es ganz klar zu sagen, mit dem 3. Band habe ich den Räuber Hotzenplotz in den Ruhestand geschickt. Punktum!

 

Was hätte Hotzenplotz gemacht, wenn er wirklich nach Amerika gegangen wäre?

Dann hätte er sich vermutlich mit den „wilden Westlern von Santa Fe“ angelegt. Die kennen übrigens nur er und ich. Aber sicher ist, er wäre, über welche Umwege auch immer, irgendwann vom Sheriff Dimpfelmoser als Robber Hotzenplotz eingelocht worden…

 

Wie viel Otfried Preußler steckt im Räuber Hotzenplotz und wie viel im Kasperl?

In jeder Figur meiner Bücher steckt – de facto – natürlich auch ein Stück von mir selbst. Wie viel das jeweils ist, darüber mach ich mir keine Gedanken, das mögen andere tun, wenn sie nix Besseres zu tun haben.

 

Wie ist es Ihnen gelungen, nach den traumatischen Kriegserfahrungen und der Gefangenschaft Ihren Humor zu bewahren und etwas derart Leichtes, Unterhaltendes und Lustiges zu Papier zu bringen?

Lachen, am besten auch über sich selber, ist ein probates Mittel, um in schwierigen Situationen nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ohne meinen Humor – oftmals rabenschwarz, bis heute – ohne meinen unerschütterlichen Optimismus hätte ich den Krieg und die Gefangenschaft wohl nicht überlebt.

 

Wie oft mussten Sie selbst beim Schreiben lachen?

Ziemlich oft. Wenn man merkt: die Geschichte stimmt, der Satz, die Idee passt, dann muss man an lustigen Stellen natürlich auch selber lachen, im besten Fall lauthals.

 

Gibt es eine Botschaft?

Wenn Sie das unbedingt wissen möchten, fragen Sie doch einfach bei den Studierten und Gelehrten nach.

 

Wie kam es, dass Franz Josef Tripp das Buch illustrierte? War es Ihr Wunsch oder der des Verlags?

Der Vorschlag kam, wie so oft in meinen Anfangsjahren als Schriftsteller, von meiner hoch geschätzten und verehrten Verlegerin Lotte Weitbrecht vom Thienemann Verlag in Stuttgart. Das „werte Fräulein Weitbrecht“ hatte den jungen Illustrator Franz Josef Tripp entdeckt und mit sicherem Gespür für die Inszenierung meines Räubers vorgeschlagen. Und, sie hat – auch ohne Pfefferpistole – ins Schwarze getroffen!

 

Wie erklären Sie sich den großen internationalen Erfolg („Der Räuber Hotzenplotz“ ist in mehr als 30 Sprachen übersetzt worden)?

Überall auf der Welt gibt es Kinder, die Freude an gut erzählten Geschichten haben. Und überall auf der Welt gibt es – gottlob – kluge und weitsichtige Lektoren, die solche Geschichten in der jeweiligen Landessprache herausbringen.

 

Haben Sie damit gerechnet, dass es viele Bühnenumsetzungen geben wird?Haben Sie eigentlich ein Theaterstück schreiben wollen?

Nein! Ich wollte von Anfang an eine Kasperlgeschichte in Buchform schreiben. Dass dann mein werter Herr Räuber unzählige kleine und große Bühnen erobern würde, daran hatte ich beim Schreiben überhaupt nicht gedacht.

 

Wie gefallen Ihnen die Umsetzungen als Puppentheater, Bühnenstück, Film und Hörbuch/Hörspiel? Inwieweit haben Sie mitgewirkt? Hatten Sie daran Interesse und wenn ja, haben Sie beispielsweise bei der Rollenbesetzung mitsprechen können?

Da hab ich mich ziemlich herausgehalten, weil ich mehrfach die Erfahrung gemacht hab, dass viele Köche den berühmten Brei eher verderben. 
Will sagen: Man muss einem Regisseur – sei es für eine Verfilmung oder auch für eine Theaterinszenierung – freie Hand lassen, damit der den Stoff so umsetzen kann, wie er es für richtig hält. Buch ist Buch; und Film ist Film!Nur Hotzenplotz ist und bleibt Hotzenplotz! Und übrigens: Der Armin Rohde hat den Hotzenplotz offenbar verstanden und er hat wunderbar gespielt.

 

Was bedeutet für Sie Geschichten erzählen? Was ist für Sie das Wichtigste daran?

Das reicht vom Erzählen zum schieren Zeitvertreib – bis zur Auseinandersetzung mit für mich wirklich wichtigen Fragen. Hauptsache, ich als Erzähler nehme mein Publikum ernst und bemühe mich die Grundregelnder Erzählkunst aufs Penibelste einzuhalten.
Mein Publikum? Wie unendlich froh und dankbar bin ich: Das sind in erster Linie die Kinder; und ob Sie es glauben oder nicht, Kinder sind das beste Publikum, das man sich wünschen kann.

 

Wie entwickeln Sie Geschichten? Sind Sie selbst einmal vom Ausgang einer Geschichte überrascht worden?

Aber natürlich. Wenn man es wagt – egal ob vor kleinem Publikum oder vor großem –, einfach drauflos zu erzählen, dann erlebt man selbst die unwahrscheinlichsten Dinge, und die Zuhörer selbstverständlich mit. Schade, dass sich das heut kaum mehr jemand traut, einfach draufloszuerzählen ...

 

Wer ist Ihr schärfster Kritiker?

Da hat es immer drei gegeben: Neben meinem gefräßigen Papierkorb war es meine Frau. Und der dritte? Da dürfen Sie dreimal raten, wer das ist.

 

Glauben Sie, dass die Kinder von heute die Geschichte ebenso lesen und verstehen wie Kinder in den 1960er, 70er oder 80er Jahren?

Die Kids von heute tragen vielleicht andere Kleidung, sie sind ständig von vielen, damals noch unbekannten Dingen gefordert. Und trotzdem: Sie brauchen gute Geschichten. Und gute Geschichten erkennen und verstehen sie, immer und überall und zu jeder Zeit!

 

Was hat Sie am allermeisten an der Kritik der 68er geärgert? Was haben diese in Ihren Augen nicht verstanden? Empfinden Sie Genugtuung, dass Ihnen heute Recht gegeben wird?

Ach, wissen Sie: Mein Räuber hat jetzt fünf Jahrzehnte auf‘m Buckel und ich bald neune. In dieser langen gemeinsamen Zeit ist uns beiden gelegentlichganz schön Wind um die Ohren geblasen worden. Aber, was soll’s? Wir sind beide noch da! Der staatlich geprüfte Herr Räuber Hotzenplotz und sein Freund, der mittlerweile in die Jahre gekommene Herr Preußler. Und all die Anwürfe an uns, wir seien verantwortungslose Heile-Welt-Beschwörer, all das hat uns nicht bekümmert.

Sie sind einer der wichtigsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren und Vater von Buchhelden, die die Kindheit von – inzwischen einigen – Generationen verkörpern. Was bedeutet Ihnen das?

Dafür bin ich dankbar!

 

Was wünschen Sie sich für die Kinder von heute?

Es gibt hinreichend viele Schulen auf Gottes Welt, zumindest hier bei uns in
Deutschland. Aber, an Spielwiesen für Kinder herrscht leider Mangel. Und
an Spielwiesen für die Phantasie kann es nie genug geben!

 

Otfried Preußler
09.12.2011
Die Fragen stellte die Pressestelle der Thienemann Verlag GmbH

Foto: Francis Koenig

 

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