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Die Kraft der inneren Bilder nutzen - ein Interview

Auch wenn viele Menschen es nicht glauben können, mit inneren Bildern kann viel bewirkt werden. Wer mit Imagination arbeitet, kann nicht nur eine Leistungssteigerung im Sport oder Beruf erzielen - Imaginationen werden auch sehr erfolgreich bei der Behandlung von seelischen Störungen eingesetzt und sogar schwere Krankheiten wie Krebs können durch Imaginationen geheilt oder gelindert werden. Prof. Dr. rer. pol. Thomas Kretschmar ist Experte auf diesem Gebiet und gibt in diesem Interview viele Einblicke in seine Arbeit.


An die Stelle problemorientierter Betrachtung ist heute eine eher lösungsorientierte Sichtweise getreten. Warum ist dieser Ansatz erfolgsversprechender?

Prof. Thomas Kretschmar: Hier handelt es sich um einen generellen Trend in der Psychotherapie. Früher versuchte man durch lange Analyse herauszufinden, wo und wie ein Problem entstanden ist. Aber oft reicht es nicht aus, wenn man nur weiß warum man so oder so ist. Psychotherapie ist ein Dienstleistungsgeschäft. Das kauft heute niemand, ohne eine Lösung. Daher ist es auch zum Standard geworden zu Therapiebeginn ein konkretes Ziel zu vereinbaren.



Warum können innere Bilder auf uns so unglaublich große Macht ausüben? Uns zu Erfolgen stimulieren genauso wie uns negativ beeinflussen?

Prof. Thomas Kretschmar: Der Mensch ist ein visuelles Wesen. Der Sportler wird angetrieben von dem Bild, wie er auf dem Siegerpodest steht. Wenn wir uns an unsere Schulzeit erinnern, ist es oft das Bild vom Schulgebäude oder Klassenzimmer. Träume erinnern wir als Bilder. Gerüche oder Geräusche kommen uns bei Erinnerungen und Visionen einfach seltener in den Sinn. Deshalb halten wir im Mind Institute Berlin viel von der Arbeit mit inneren Bildern.


Was beeinflusst unser Gedächtnis am stärksten?

Prof. Thomas Kretschmar: In den Neurowissenschaften stehen wir heute noch ganz am Anfang. Wir beginnen gerade erst grundlegende Funktionen zu begreifen. Gerade in den letzten 20 Jahren sind scheinbar gesicherte Theorien wider umgeworfen worden. Wir glauben, dass unser Gedächtnis am stärksten beeinflusst ist von Ereignissen, die entweder sehr früh waren, sehr außergewöhnlich und in Zusammenhang mit starken Gefühlen auftraten oder sich sehr oft widerholten.


Gibt es Bilder in uns, die angeboren sind? Die wir von Anfang an in uns tragen?

Prof. Thomas Kretschmar: Wenn Sie Anfang mit Geburt definieren, dann definitiv. Das Ungeborene fängt schon im Bauch der Mutter an seine Erlebnisse als Symbole abzuspeichern, lange bevor es eine Sprache erlernt hat. Es gibt aber auch Anzeichen, dass innere Bilder sogar vererbt werden. Der Kreis als Symbol für Vollkommenheit ist ein Beispiel. In Tierversuchen hat man auch schon gezeigt, dass neu geborene Ratten etwas beherrschen, was zuvor ihre Eltern durch Dressur erlernt hatten.


Träume sind Botschaften unserer Seele. Doch kann man wirklich alle Motive richtig deuten?

Prof. Thomas Kretschmar: In der psychologischen Arbeit gibt es für uns kein richtig und kein falsch. Wenn beispielsweise ein Lebensereignis besonders belastend ist, ist es für uns nicht entscheidend wie es wirklich war, sondern wie der Klient es erinnert. In der Traumdeutung sollte der Klient selbst vom Therapeuten oder Coach zur Deutung angeleitet werden. Die vom Klienten gefundene Deutung ist für sie oder ihn immer richtig. Nur das zählt.


Warum finden Tagträume viel öfter als man denkt statt und warum sind sie so befreiend?

Prof. Thomas Kretschmar: Die Realität ist ja eigentlich nur die Gegenwart, also ein unendlich kleiner Zeitraum. Alle Vergangenheit davor und alle Zukunft danach können wir nur in der Imagination verarbeiten: „Wie war das gestern nochmal, als ich mit meinen Freunden Geburtstag gefeiert habe?“. „Wie wird das morgen sein, wenn ich diesen Vortrag halten muss?“
Die Verarbeitung im Tagtraum hilft uns aus etwas Unbekanntem etwas scheinbar Bekanntes zu machen, sodass wir uns sicherer fühlen.


Warum können Visualisierungen körperliche Veränderungen hervorrufen, wie die Veränderung der Temperatur?

Prof. Thomas Kretschmar: Durch unser Nervensystem, insbesondere das Gehirn sind ja Körper und Geist miteinander verbunden. Über die Spiegelneuronenforschung wissen wir heute, dass dieselben Neuronen aktiv werden, wenn wir eine Tätigkeit körperlich ausführen, oder wenn wir diese Tätigkeit nur planen oder bei einer anderen Person beobachten. Deshalb zucken wir auch zusammen, wenn ein Anderer sich an einer heißen Herdplatte verbrennt. Die gleichen Verbindungen können wir nutzen, wenn wir durch Gedanken an heiße oder kalte Umgebungen auch unsere Körpertemperatur beeinflussen.


Sind wir machtlos gegen den Einfluss innerer Bilder?

Prof. Thomas Kretschmar: Sie meinen, wie bei dem Beispiel in unserem Buch, wo ein Professor seinen Studenten ankündigt, dass er gleich eine Flasche mit üblem Geruch öffnen wird. Die Studenten glaubten etwas zu riechen, obwohl in der Flasche nichts war. Die reine Ankündigung und Vorstellung reichte aus. Der freie Wille ist begrenzter, als viele Menschen sich einbilden. Die Allgemeine Psychologie kennt viele derartige Experimente der Beeinflussung. Wir können innere Bilder nicht abschalten. Auch nicht die Emotionen und Empfindungen, die durch sie ausgelöst werden. Wir können aber lernen den inneren Bildern anders zu begegnen und Sie zu Ressourcen zu wandeln. Insofern sind wir nicht ganz machtlos.


Imaginationen können Krankheiten heilen? Muss man dazu die eigene Anatomie gut kennen?

Prof. Thomas Kretschmar: Nein, die erfolgreichen Fallbeispiele der Körperpsychotherapie zeigen, dass die Klienten Vorstellungen von ihrer Anatomie haben, die teilweise recht weit von der Realität entfernt sind. Das spielt aber keine Rolle. Denn die Heilung erfolgt ja im Kopf und der projiziert diese dann in die richtige Körperregion, wenn ich es mal so unwissenschaftlich ausdrücken darf.


Vorstellungskraft kann sogar bei stark traumatisierte Menschen heilende Wirkung haben. Reicht dazu positives Denken?

Prof. Thomas Kretschmar: Traumatherapie ist eine große Sache. Darauf kann ich hier nicht detailliert eingehen. Positives Denken ist nützlich, reicht aber allein nicht aus. Es braucht eine lange Phase der Vertrauensbildung zwischen Therapeut und Klient, in der Bilder der inneren Sicherheit aufgebaut werden. Irgendwann wird der Klient bereit sein, das Trauma im Tagtraum aus sichererer Entfernung anzusehen und neu zu bewerten.


Wie wichtig ist der Therapeut bei der Entwicklung und Stimulation von Bildern bei den Patienten?

Prof. Thomas Kretschmar: Vom Grundsatz her entwickelt der Klient seine inneren Bilder selbst. Der Therapeut oder Coach führt in die Entspannung (ähnlich wie im autogenen Training) und achtet darauf, dass der Klient weder voll aufwacht noch einschläft und den inneren Bildern folgt. Dies geschieht mit einfachen Worten wie „Was ist da?“, „Wie sieht das aus?“ oder „Was wollen Sie jetzt tun?“. Bei Patienten mit konkreten Störungen spielt der Therapeut durch die Art der Steuerung eine entscheidende Rolle. Für den Alltagsgebrauch kann aber jedermann auch ohne Hilfe innere Bilder erzeugen.


Kann man mit aktiver Imagination mit seinem Unterbewusstsein kommunizieren? Und kann das jeder?

Prof. Thomas Kretschmar: Das ist eine akademische Frage. Mit dem Unbewussten können wir nicht kommunizieren. In dem Moment, wo es in der Kommunikation auftaucht, wird es ja bewusst.
Wir können aber vormals Unbewusstes bewusst machen, um dann damit zu kommunizieren. Das kann jeder.


Sie widmen ein umfangreiches Kapitel den Krebspatienten. Ist Imagination gerade bei ihnen sehr wirksam?

Prof. Thomas Kretschmar: Imaginationen sind besonders wirksam bei psychosomatischen Erkrankungen wie Atemproblemen, Rückenschmerzen, Hautausschlägen, Magen- und Darmproblemen, für die ein Arzt keine körperlichen Ursachen findet sowie bei psychischen Störungen im Allgemeinen und Ängsten und Persönlichkeitsthemen im Besonderen. Krebs haben wir mit aufgenommen, weil die Imagination dort in vielen Fällen zur Heilung beigetragen hat und weil das viele Menschen interessiert. Die Imagination ist aber keine ausgesprochene Krebsheilungsmethode, sondern eine Ergänzungstherapie zur Unterstützung der klassischen Schulmedizin.


Was ist „Katathym-Imaginative Psychotherapie“? Wie sieht die Therapie im Vergleich zu anderen Methoden aus?

Prof. Thomas Kretschmar: KiP wurde vor ca. 50 Jahren von Hanscarl Leuner entwickelt. Es ist ein sehr etabliertes Verfahren mit dem viel Erfahrung vorliegt. „Katathym“ bedeutet „die Gefühle betreffend“. Es wird also in dieser Therapieform das Gefühl als Bild betrachtet. Wir wollen hier nicht das Rad neu erfinden. Unser journalistischer Beitrag mit diesem Buch ist, Psychotherapie für die Allgemeinheit praktisch verständlich zu machen und vielleicht so auch die Berührungsangst davor zu nehmen.


Wie wirksam ist KIP und kann man ihren Erfolg messen?

Prof. Thomas Kretschmar: Gefühle sind oftmals der Schlüssel zum Therapieerfolg. Den meisten Klienten fällt es jedoch schwer über Gefühle zu reden. Es ist nicht so, dass sie nicht wollen. Sie können es oft nicht. Über Ihren Beruf können die meisten stundelang reden, aber auf die Frage „Wie fühlen Sie sich?“ können die Klienten nur ungenau und oberflächlich antworten. Wenn das Gefühl jedoch als Märchenwesen, Landschaft oder Symbol vorgestellt werden soll, sprudelt es nur so heraus. Damit kommt KiP schneller zum Therapieerfolg als viele andere Verfahren. Wir betreiben KiP als eine alternativmedizinische, heilkundliche Psychotherapie sowie im Coaching von Business-Klienten mit großem Erfolg. In 20 Stunden wurden oft schon gute Erfolge erzielt; in seltenen Fällen sogar unter 10 Stunden. Der Erfolg wird gemessen daran, dass der Klient seine Ziele erreicht hat und bereichert durch innere Ressourcen sein Leben auch ohne externe Begleitung gestalten kann.


Buchtipp

Wer mehr über das spannende Thema der Imagination erfahren möchte, sollte unbedingt einen Blick in das jüngst erschienene Buch von Prof. Dr. Thomas Kretschmar und Martin Tzschaschel - Die Kraft der inneren Bilder nutzen - werfen. Alle Infos zum Buch bekommt ihr hier >>.

 

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