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Versorgungslücke schließt sich

22.11.2017

Erstes stationäres Kinder- und Jugendhospiz in Baden-Württemberg eröffnet - Bundesverband Kinderhospiz fordert bedarfsgerechtere Palliativversorgung

Deutschland ist ein reiches Land, und Baden-Württemberg ein reiches „Ländle“ – doch wirklich reich sei der Südwesten Deutschlands erst jetzt mit dem ersten stationären Kinderhospiz: so lautet die Einschätzung von Sabine Kraft, Geschäftsführerin des Bundesverbands Kinderhospiz, anlässlich der Eröffnung  des Kinder- und Jugendhospizes in Stuttgart.

„Es ist wichtig, wohnortnahe Angebote zu schaffen, damit Familien ein Kinderhospiz genau dann nutzen können, wenn sie es brauchen“, weiß Kraft. Bislang waren betroffene Familien in Baden-Württemberg  darauf angewiesen, Urlaube und Schulferien zu nutzen, um sich und ihrem unheilbar kranken Kind eine Pause zu verschaffen – in weiter entfernten Kinderhospizen, die in den Ferienzeiten dann völlig überlastet waren.  „Durch die Erweiterung des ‚Hospiz Stuttgart‘ um ein Kinder- und Jugendhospiz schließt sich eine weitere Lücke in der Palliativversorgung“, freut sich Kraft. „Man kann an dem großen Interesse und den bereits vorliegenden Anmeldungen sehen, wie nötig ein solches Angebot hier in der Region war!“ Bei der Versorgung mit ambulanten Diensten sehe  es in dem Bundesland  dagegen sehr gut aus.

 

Kinderhospize unterscheiden sich grundlegend von den Einrichtungen, die es  für Erwachsene gibt. Die jungen Patienten und ihre Familien sollen durch den Aufenthalt im Hospiz Kraft tanken für den  oft schwierigen Alltag – um dann gestärkt wieder nach Hause zu fahren. „In Stuttgart ist eine wunderbare Einrichtung entstanden, die den Familien hilft, sich auf die Glückmomente zu konzentrieren, die sie gemeinsam erleben. Darum geht es in der Kinderhospizarbeit!“ Einen Beitrag zu Glücksmomenten überreichte die BVKH-Geschäftsführerin mit einem ganz besonderen Bewohner für das neue Kinderhospiz: das riesige Stoff-Eichhörnchen „Fred“ freut sich auf viele kuschelige Momente und Spiele mit den erkrankten Kindern und ihren Geschwistern.

Anlässlich der Eröffnung in Stuttgart weist Sabine Kraft aber auch erneut auf die Notwendigkeit hin, die Angebote in der Palliativversorgung für Kinder und Jugendliche in Deutschland weiter auszubauen. Sie verweist auf den gerade erschienenen Pflegereport der Barmer Ersatzkasse, aus dem klar hervorgeht, dass es noch viel zu wenige spezifische Angebote für pflegebedürftige junge Patienten gibt – „und für die, die aufgrund von lebensverkürzenden Erkrankungen noch speziellere Bedürfnisse haben, gilt das in verstärktem Maß“, weiß die BVKH-Geschäftsführerin. Zu wenig Fachpersonal in der Kinderkrankenpflege, zu lange Wartezeiten auf ambulante Versorgung oder stationäre Plätze, kaum ein Angebot, das jugendliche Betroffene z.B. darin unterstützt, sich vom Elternhaus zu lösen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. „Hier muss noch viel genauer hingeschaut werden, um eine effektive Versorgung zu gewährleisten, die dem reellen Bedarf entspricht“, so Kraft.

Der Bundesverband Kinderhospiz ist als Dachverband der ambulanten wie stationären Kinderhospizeinrichtungen in Deutschland auch Ansprechpartner für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Vertreter von Kostenträgern.

In Deutschland gibt es mehr als 40.000 Familien, die ein lebensverkürzend erkranktes Kind haben. Für diese Familien setzt sich der Bundesverband Kinderhospiz ein, um sie aus dem sozialen Abseits zurück in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Mit dem OSKAR Sorgentelefon hat der BVKH eine weltweit einzigartige Hotline ins Leben gerufen, an die sich Betroffene wie Fachleute wenden können und alle, die Fragen haben zu lebensverkürzenden Erkrankungen bei Kindern oder Trauernde, die bereits ein Kind verloren haben.  OSKAR ist unter der Nummer 0800 8888 4711 rund um die Uhr, anonym und kostenfrei erreichbar.

 

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