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Organspende – künftig kein Tabu-Thema mehr

Bedarf ist nach wie vor hoch / Jeder soll sich informieren und aktiv eine Entscheidung treffen

Es ist ein sensibles Thema: Organspende. Wir verdrängen es gern, und wenn wir selbst betroffen sind oder ein Familienangehöriger, stehen wir plötzlich davor, sich binnen Kurzem entscheiden zu müssen. In fast 80 Prozent der Transplantationsfälle sind die Angehörigen von hirntoten Patienten gezwungen, eine Entscheidung zu fällen, weil keine ausdrückliche Erklärung vorliegt.

Dabei setzen pro Jahr etwa 12.000 schwer kranke Menschen in Deutschland ihre Hoffnung in die Transplantation eines Organs. Ihr Überleben und ihre Lebensqualität hängen von der Bereitschaft ihrer Mitmenschen ab, Organe nach dem Tod zu spenden. Weil aber keine ge-eignete Niere, Leber, Lunge oder Herz zur Verfügung steht, müssen etwa 1.000 sterben.

Grundsätzlich ist die Einstellung zur Organ- und Gewebeentnahme zwar positiv, wie eine Umfrage zeigt, wonach 74 Prozent der Deutschen mit einer Organentnahme nach ihrem Tod einverstanden wären. Aber nur etwa jeder Vierte hat auch einen Organspendeausweis. Der Aufklärungsbedarf ist also nach wie vor groß; noch immer gibt es offenbar Unsicherheiten und Fragen. Das belegen auch die jüngsten, rückläu-figen Zahlen: Im vorigen Jahr ist die Zahl der Organspender auf 1.200 gesunken – 7,4 Prozent weniger als noch im Vorjahr 2010.

Es ist daher umso wichtiger, dass man sich einmal Zeit nimmt und versucht, seinen eigenen Standpunkt zum Thema Organspende zu finden. Dazu will nun auch die Politik beitragen: Kürzlich haben sich die Bundestagsfraktionen auf einen Gruppenantrag für die Einführung der sogenannten Entscheidungslösung geeinigt. Möglichst viele Menschen sollen sich mit dem Thema Organ- und Gewebespende auseinandersetzen und ihre Entscheidung festhal-ten. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass jeder über 16-Jährige von seiner Krankenversicherung angeschrieben wird und einen Organspenderausweis zugeschickt bekommt. Danach soll die Spende-Bereitschaft alle zwei Jahre erneut abgefragt werden. Ein Tabu soll damit aufgebrochen werden.

Ob sich dadurch die Bereitschaft zur Organspende erhöhen wird, ist nicht gewiss, aber jeder ist nun angehalten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. In der Frage für oder gegen Organ- und Gewebespende gibt es kein „Richtig“ oder „Falsch“. Auch wer sich dagegen entscheidet, darf sich nicht ins Abseits gedrängt fühlen. Wichtig ist aber, dass man zu einer Entscheidung kommt, diese in einem Organspendeausweis dokumentiert und mit Angehörigen darüber spricht.

Dabei sollte man sich bewusst machen: Die Entscheidung für einen Organspendeausweis ist ein Akt der Vorsorge und könnte Leben retten!

Quelle: DGK
Foto: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)

 

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