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Trotz Fuchsbandwurm: Beeren pflücken wie in Kindertagen?

Übertriebene Ängste verderben die Freude an der Natur

Wenn jetzt die Heidelbeeren und Brombeeren reifen, dann streifen wieder Beerensucher durch den Wald und Kinder möchten beim Spazierengehen an den Früchten naschen. Allerdings kann man das viel seltener beobachten als noch vor Jahren. Was die ältere Generation noch wie selbstverständlich kennt, ist für die Jüngeren häufig unbekannt. Neben einer zunehmenden Entfremdung von der Natur spielen sicherlich auch zunehmende Ängste vor Gefahren eine Rolle.

In Bezug auf das Beerensammeln geht es dabei vor allem um eine mögliche Infektion mit dem Fuchsbandwurm. Dieser Parasit lebt im Darm von Füchsen, seltener in Hunden oder Katzen. Als Zwischenwirte dienen Mäuse, oder – als „Fehlwirt“ – Menschen: Nach dem Verzehr von Wurmeiern können sich die Larven in der Leber festsetzen, in der dann röhrenförmige Blasen entstehen. In diesen vermehrt sich der Parasit. Unbehandelt endet die als Echinokokkose bezeichnete Erkrankung oft tödlich.

 

Unter die Lupe genommen

Doch wie kann sich ein Mensch überhaupt anstecken? Eine Aufnahme von Wurmeiern geschieht laut Robert Koch-Institut durch kontaminierte Hände. Und zwar entweder nach direktem Kontakt mit infizierten Endwirten (Fuchs, Hund, Katze), an deren Fell die Eier haften können, oder durch Umgang mit verseuchter Erde. Die Möglichkeit der Übertragung durch Nahrungsmittel (Waldbeeren, Pilze) ist hingegen bisher nicht belegt – sie wird lediglich diskutiert. Darauf weist auch eine Studie Ulmer Wissenschaftler aus dem Jahr 2004 hin: Ein Erhöhtes Risiko, sich die Fuchsbandwurm-Erkrankung zu holen, haben laut Studie Personen, die in der Landwirtschaft tätig sind, oder Menschen, die Umgang mit Hunden haben. Ein Zusammenhang mit dem Sammeln und Essen von Wildbeeren oder -pilzen ergab sich nicht.

Seit dem Jahr 2001 ist eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm meldepflichtig. Das Robert Koch-Institut registriert seitdem etwa 20 Neuerkrankungen pro Jahr. Diese Zahl bezieht sich auf die Fälle, bei denen sicher ist, dass sich die Betroffenen in Deutschland infiziert haben. Gemessen an anderen Erkrankungen ist die Echinokokkose damit eine seltene Erkrankung. Patienten können heutzutage zudem chirurgisch und medikamentös behandelt werden. Vorsicht ist natürlich dennoch geboten, denn Betroffene müssen meist lebenslang Tabletten einnehmen, weil sie die Parasiten nie ganz los werden.

Die meisten Echinokokkosefälle kommen in den seit langem dafür bekannten Gebieten vor: der Schwäbischen Alb, der Alb-Donau-Region, Oberschwaben und dem Allgäu. Reisen dorthin gelten aber nicht als riskant, weil man die Wurmeier wahrscheinlich vielfach aufnehmen muss, ehe es zur Erkrankung kommt. Im übrigen Deutschland finden sich bis jetzt nur Einzelfälle im Abstand von mehreren Jahren.

Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie er mit möglichen Infektionsgefahren umgeht. In den süddeutschen Risikogebieten sollten Waldfrüchte oder Obst aus Bodennähe gründlich gewaschen werden. Ansonsten scheint es von Seiten der Wissenschaft her wichtiger zu sein, sich nach dem Kontakt mit Hunden und Katzen die Hände zu waschen und die Tiere regelmäßig zu entwurmen – vor allem, wenn diese gern auf Mäusejagd gehen.

www.dgk.de

 

Quellen: 


Fotoquelle: TwilightArtPictures-Fotolia.com

 

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