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Der Traumjob - Zurück auf die Schulbank

Der erste Tag meiner Weiterqualifizierung als Journalistin für betriebliche Öffentlichkeitsarbeit beginnt mit einem Schock. Meine Mitstreiterinnen und Mitstreiter wirken so schrecklich jung. Und die Älteren können Lebensläufe vorweisen, an denen sich Highlight an Highlight reiht. Wenn die auf dem Arbeitsmarkt chanchenlos waren, was bleibt dann für mich übrig? Und jeder hat einen anderen Lebenslauf, bringt völlig andere Voraussetzungen mit.

Lernen, lernen ohne Ende

Meine Befürchtungen, der Lehrgang würde langweilig und seicht dahin plätschern, bestätigt sich zum Glück nicht. Gleich am ersten Tag steigen wir voll ein und müssen vor der Klasse einen kurzen Vortrag halten. Und in diesem Tempo geht es Tag für Tag weiter. Gelegentlich habe ich Verständigungsprobleme, weil ich nicht immer die Aufgabenstellung verstehe. Als Mutter eines sechsjährigen Kindes bin ich an eine klare, verständliche Sprache gewöhnt und halte die komplizierte, intellektuell abgehobene Ausdrucksweise unseres Dozenten für irreführend und absolut überflüssig. Aber mit der Zeit verstehe ich, warum viele Dozenten gerne vor Arbeitslosen unterrichten. Hebt es doch das eigene Selbstwertgefühl in sonst unerreichbare Höhen. Die theoretische Ausbildung dauert acht Monate, und ich hätte es nicht für möglich gehalten, in einer so kurzen Spanne so viel Neues zu lernen. Nach sechs Jahren als Hausfrau und Mutter sauge ich alles wie ein nasser Schwamm in mich hinein. Selbst in die für mich relativ neue Welt der unterschiedlichen Computerprogramme arbeite ich mich soweit ein, dass ich am Ende des Lehrgangs eine Broschüre layouten kann. Was mich immer noch mit Stolz erfüllt.

Von schlechten Tagen

Eines schaffe ich allerdings nicht. Dieser gute Vorsatz, abends noch einmal den Stoff des Tages durchzulesen, bleibt ein frommer Wunsch. Nach sieben Stunden Schule, zwei Stunden Fahrzeit und dem kläglichen Rest mit meinem Kind bin ich nur noch müde. Die Wochenenden verbringe ich damit die verloren gegangene Ordnung in meiner Wohnung wieder herzustellen. Da ist es beruhigend zu sehen, dass auch die jüngeren Teilnehmer/innen erschöpft sind. Tatsächlich leisten wir mehr als bei einer normalen Arbeitsstelle, müssen wir doch immer wieder neue Informationen verarbeiten und Wissen abspeichern.

Das ich als erwachsene Frau und alleinerziehende Mutter manchmal wie ein Schulkind von Dozenten und Bildungsträger gegängelt werde, entlockt mir bald nur noch ein müdes Schulterzucken. Wie auch die anderen 18 Kursteilnehmer, die sich mit so viel Elan in die Fortbildung stürzen und deren Gedanken nur um eine zukünftige Arbeitsstelle kreisen, lerne ich schmerzhaft alle Vorurteile gegen Arbeitslose kennen: Sozialschmarotzer, Drückeberger, Versager. Zum Glück wissen wir es wenigstens besser!

Der Mensch denkt, Kind lenkt

Die Unterbringung meines Sohnes ist perfekt organisiert, aber ich lerne rasch, dass immer mit unvorhergesehenen Ereignissen zu rechnen ist. Nach einer Woche ist Brian krank: Windpocken. Na toll. Einige Tage bleibe ich zu Hause, dann kann ich ihn bei meiner Schwester unterbringen. Nur, es bleibt nicht bei einem Problem. Fast jeden Abend auf der Rückfahrt im Auto erzählt er mir von seinen Sorgen. Und nicht alles ist so einfach wie die Lösung mit der eigenen Spielzeugkiste, die ihm am Nachmittag sein eigenes Kinderzimmer ersetzt. Am Ende des Jahres einigen wir uns im seltenen Einvernehmen, dass ich mir zunächst einmal eine Halbtagsstelle suche.

Vorsicht bei der Auswahl des Bildungsträgers

Leider zeigt sich im Laufe der Fortbildung, dass Arbeitslose inzwischen als Ware angesehen werden, mit denen sich Geld verdienen lässt. In den Zeitungen buhlen die verschiedenen Bildungsträger mit Weiterqualifizierungen um das Interesse der Arbeitslosen und damit indirekt das Geld der Arbeitsämter. Also bitte nicht blindlings ins Verderben laufen. Es lohnt sich ein wenig hinter die Fassade zu schauen:

80 Prozent der Teilnehmer eines vom Arbeitsamt geförderten Kurses müssen einen Arbeitsplatz finden, damit der Lehrgang weiterhin bezahlt wird. Welchen Arbeitsplatz ist dabei völlig egal. Wer sich in seiner Verzweiflung fürs Taxifahren entscheidet, hilft trotzdem die Quote zu erfüllen. Also Vorsicht, immer auch auf dem Stellenmarkt den wirklichen Bedarf der jeweiligen Fortbildung ermitteln.
Bildungsträger versprechen oft mehr, als sie halten. Es lohnt sich hinter die Kulissen zu schauen. Sind die PC veraltet, sind die Unterrichtsräume gut ausgestatete, sind die Dozenten anerkannte Fachleute? Gibt es eine Kantine mit einem leckeren Angebot zu fairen Preisen?
Wieviele Dozenten unterrichten insgesamt. Bei zu vielen Dozenten besteht die Gefahr, dass sich Unterrichtsstoffe überschneiden. Oft fehlt auch eine klare, übergeordnete Linie, weil jeder nur seinen kleinen Teilbereich überschaut.

Nicht zuletzt ist es wichtig, sich über die Kontakte der Bildungsträgers zu potentiellen Arbeitgebern zu informieren. Wir sollen uns um alles selber kümmern, um unsere Selbstständigkeit zu fördern. Eine feine Ausrede für lahme Bildungsträger. Es ist leicht, einen (unbezahlten) Praktikumsplatz zu finden, es ist aber unheimlich schwer, einen Praktikumsplatz mit Aussicht auf Übernahme in der Firma zu finden. Hier sollte eigentlich der Bildungsträger tätig werden.
Persönliches Fazit

Insgesamt kann ich den Besuch des Lehrgangs durchweg als positiv bezeichnen. Ich habe neues Wissen dazugelernt, habe mich behauptet und in der Gruppe meinen Platz gefunden und nicht zuletzt mit dem Zauberwort Schlüsselqualifikationen auch mein ramponiertes Selbstwertgefühl aufgerüstet. Ich kenne nun meine Stärken und kann mich jetzt viel besser bei Vorstellungsgesprächen verkaufen. Außerdem habe ich mein am Anfang des Lehrgangs gestecktes Ziel erreicht: Ich habe die Zeit aktiv gestaltet und mich nicht in der breiten Masse versteckt. Zu meinen Glück fehlt nur noch der passende Arbeitsplatz.

Adelheid Fangrath

 

 

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